"Papa Wattenmeer" ist tot

Peter Kuhlemann im Alter von 92 Jahren auf Sylt verstorben

Bis zuletzt aktiv: Peter Kuhlemann

Im stolzen Alter von 92 Jahren verstarb am 24. Juli 2005 Peter Kuhlemann, Wissenschaftler (Biologe und Zoologe), Natur- und Landschaftsschützer, Archäologe, bildender Künstler mit dem Hang zum expressiven Impressionismus, Journalist und Buchautor. Kuhlemann kann auf ein erfülltes Leben zurückblicken, hat sich bis ins hohe Alter seinen geistigen Elan, seinen Humor und seinen kritischen, eigensinnigen Verstand bewahren können und er war fast bis zum letzten Atemzug aktiv.

Noch einige Tage vor seinem Tod gab er uns den Auftrag sein Geschenk- und Bedenkbüchlein "Sylter Strand - Westerland" mit einem Aufkleber für das Doppeljubiläum 100 Jahre Stadt/ 150 Jahre Bad Westerland zu versehen.

Im Mai dieses Jahres hat der Verfasser von über 20 Büchern sein letztes großes Werk "Ich, der Raubgräber - eine Archäologie"  u. a. über Ausgrabungen zu Alt-Rantum, herausgebracht. (eine Buchbesprechung von uns ist in Arbeit).

Weitere neue Bücher seien hier zu nennen "Künstler auf Sylt" (1999), "Das Meer" (2001) "Vögel der Heimat" (2002), "Schiffe, Seefahrt, Seemannsleben" (2003) und "Mit Tieren leben" (2004). Kuhlemann ist Mitbegründer des Deutschen Schriftstellerverbandes und hat mit Kollegen den gewerkschaftlichen Schriftstellerverband “Federkiel” ins Leben gerufen. 

Auf einer Grönland-Expeditionsreise konnte er als Naturforscher all seine Talente einsetzen. Sein Wissen um Flora und Tierwelt, seine schriftstellerische Begabung und sein Können als Zeichner, die er, da die Batterien der Fotoapparate bei diesen extremen Kältetemperaturen versagten, gekonnt einsetzte. Für diese Leistungen erhielt er den deutschen Natur-Forschungspreis.

Der Natur- und Tierschutz lag Peter Kuhlemann besonders am Herzen

Beide Opfer der Verölung , hier eine Trottellumme nahmen den Fisch aus der Hand des Moderators

Als TV-Pionier und Vorgänger von Prof. Dr. Bernhard Grzimek drehte er Tierfilme und moderierte bereits ab 1953 aus Hamburg seine Fernsehzoo-Reihe: „Was weiß man schon von Tieren - Geh´n wir mal zu Hagenbeck". 

1967 wurde die erste Farbfernsehsendung der Serie gedreht: Peter Kuhlemann mit mitgebrachten Opfern von der England Verölung. (Fotos: Archiv Kuhlemann)

Peter Kuhlemann mit Papageientaucher "Charly"

Im Herbst 2005 wurde Peter Kuhlemann eine weitere hohe Auszeichnung zuteil. Der Vorsitzende des Landestierschutzbundes Wolfram Hartwich reiste eigens zu dem Anlass, Kuhlemann als Ehrenvorstandsmitglied zu begrüßen mit vier Vorstandskollegen auf die Insel. In Fachkreisen gilt Kuhlemann als der Vorreiter des Gedankens des Nationalparks Wattenmeer.
Peter Kuhlemann, am 16. März 1913 in Nordhausen/Harz geboren, studierte in Berlin Biologie, Architektur und Sport. 1937 wurde er wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus vom Studium ausgeschlossen. 
1944 geriet er als Oberleutnant der Marine in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1949 zu seiner Familie nach Schleswig-Holstein zurückkehrte. Nach 1949 schrieb er seine ersten 13 Bücher und gründete 10 Naturschutzgebiete. 
Als Werkstudent hatte er bereits 1938 das Naturschutzgebiet Wangerooge West aufgebaut.

Nach dem Krieg begann Kuhlemann mit der Entwicklung des Tiergartens Neumünster, ab 1960 folgte der Aufbau weiterer Schutzgebiete: Uthörn auf Sylt, Grüne Insel, Hamburger Hallig, Westerhever, Husum und Eiderstedt. 

 

Peter Kuhlemann bei Dreharbeiten zu seiner Fernsehsendung: Geh´n wir mal zu Hagenbeck"

Für seine Verdienste im Naturschutz wurde Kuhlemann 1973 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Über 30 Jahren lebte und arbeitete Kuhlemann vorwiegend auf Sylt. Von hier aus wirkte er auch weit über die Insel hinaus. Er gestaltete das Naturzentrum Bredstedt und das Kultur- und Naturzentrum in Hedersleben/Quedlinburg und war mit federführend bei der Umwandlung des NS-Wasserhafens für Wasserflugzeugbomber Rantum in eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete Deutschlands, dem Rantum Becken.

Dr. Knud Ahlborn, Kampen, Mitbegründer der "Jugendbewegung", bedeutender Natur- und Umweltschützer: "Lass Dich nie von Deinen Zielen abbringen"...

...und das hat Peter Kuhlemann bis zum Lebensende beherzigt.
 
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Montag, 22. August 05 um 14 Uhr in der Kirche St. Severin zu Keitum statt.
 
Anstelle zugedachter Blumen wird um eine Spende für den Landestierschutzverband Schleswig-Holstein e. V., Kto.-Nr. 45 777 010, BLZ 221 914 05, VR Bank Pinneberg eG, Stichwort: Peter Kuhlemann.
Traueranschrift: Robert Kuhlemann, Besselstraße 66, 28203 Bremen

 

Dr. Herbert Sieg in einem Nachruf über Peter Kuhlemann:

Peter Kuhlemann, ein kritischer Freund der Insel, verstarb am 24. Juli im 93. Lebensjahr. Vor acht Tagen hatte ich noch mit ihm telefoniert und über seine letzte Publikation (Ich, der Raubgräber) gesprochen. Kuhlemann war wie stets äußerst präsent und erkundigte sich sehr interessiert nach dem aktuellen Stand der Sylter Kunstmuseumsstiftung.

Er, der sich selbst in den letzten Jahren als Fossil bezeichnete, hat sich stets als ein Freund der Tiere, der Umwelt, der Geschichte (Früh- und Vorgeschichte eingeschlossen), als ein Freund des Wortes, der Literatur sowie der Bildenden Kunst gezeigt.

Stets hat ihn auch die Insel Sylt, die ihm viele Jahrzehnte Heimat war, mit all ihren Problemen angeregt. Sein kritischer Verstand hat nicht zugelassen, sich in der bürgerlichen Einengung einzurichten. Der Sinn für materielle Werte trat bei ihm hinter das Erkennen kritischer Situationen zurück. In einer Zeit, in der eine Abgrenzung der Fachgebiete Zoologie, Natur- und Landschaftsschutz voneinander stattfindet, war Kuhlemann bemüht, fachübergreifenden Gedanken einzubringen.

Früh erkannte er die Möglichkeit des Fernsehens und war Vorbild für spätere populäre Tierfilmer.

Eine große Zahl von Publikationen, vor allem naturkundlicher Sachbücher, aber auch Reisebilder und zuletzt auch Lyrik zeichneten sein Schaffen aus. Schließlich hat ihm aber auch seine Liebe zur Bildenden Kunst zu einer Vielzahl expressionistischer Kunstwerke angeregt. 1913 in Nordhausen am Harz geboren, kam er nach dem frühen Tod der Mutter zu Verwandten nach Kassel, in einen Region, die die Märchenwelt prägte, und auch auf Kuhlemanns Kunst zu fabulieren, einwirkte. Von dort aus unternahm er bereits 1927 eine erste Klassenreise nach Sylt. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Biologie, wurde aber als Mitglied der Jugendbewegung von der Nazipartei vom Universitätsstudium ausgeschlossen. Durch Förderung des späteren Nobelpreisträgers für Biologie, Karl von Frisch, konnte er als Werkstudent 1938 ein Naturschutzgebiet Wangerooge West aufbauen.

Von Sylt aus kümmerte er sich um den Aufbau eine Kultur- und Naturzentrums in Bredstedt und nach der Wende auch in Quedlinburg. Kuhlemann konnte sich bis ins hohe Alter seine geistige Frische bewahren und sein kritischer Verstand hat auch gelegentlich dazu geführt, sich zwischen den Stühlen der Gesellschaft zu etablieren. Ingesamt werden aber auch diejenigen, die mit ihm aneinander geraten waren, bescheinigen müssen, das er ein Original mit fachübergreifender Kompetenz war.

Er hat sich verantwortungsbewusst in den Bereichen der Gesellschaft eingebracht, die es schwer haben, in der vom Konsum geprägten Welt wahrgenommen zu werden.

Peter Kuhlemann, wir, die wir dich kannten, wir werden dich vermissen, in unserer Erinnerung wirst du als streitbarer Geist einen bevorzugten Platz behalten.

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